Normalerweise berichten wir hier ja ausschliesslich über Allradfahrzeuge. Als wir von Peugeot zur Testfahrt des gelifteten 2008 eingeladen wurden, kamen wir echt ins grübeln. Denn obwohl der Peugeot 2008 keinen Allradantrieb hat, sondern nur das sogenannte Grip-Control-System, wollten wir uns die Chance nicht entgehen lassen, einmal die zivile Version des Dakar-Sieger-Autos zu testen. Und der Pressechef Schweiz sagte uns noch, dass sei ein gutes Auto und ein wirklich gutes Grip-System.

Wir würden gar nicht bemerken, dass der Peugeot 2008 keinen 4×4 hat, versprach man uns…

Peugeot hat keine Mühen und Sand gescheut und in voller Euphorie wohl eine Extraschaufel zu viel draufgelegt. Wir müssen zugeben, ein leichtes Grinsen konnten wir uns nicht verkneifen, als der 2008 beim ersten Anlauf im tiefen Sand stecken blieb. Fairerweise muss man aber auch dazu sagen, dass das nicht am Versagen des Grip-Control-Systems lag, sondern schlichtweg an der fehlenden Bodenfreiheit. Oder an zu viel Sand. Oder an beidem.

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Dass der 2008 mit dem richtigen Fahrer hinter dem Steuer (okay, und ein paar technische Modifikationen, aber immer noch ohne 4×4) sehr wohl durch Sand, Schlamm und Geröll kommt, müssen wir an dieser Stelle glaub nicht erwähnen, Bilder sagen mehr als 1000 Worte.

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Stephane Peterhansel (FRA) and Cyril Despres (FRA) from Team Peugeot Total at the finish line of stage 13 of Rally Dakar 2016 from Villa Carlos Paz to Rosario, Argentina on January 16, 2016.

Stephane Peterhansel (FRA) und Cyril Despres (FRA) Team Peugeot Total feiern den Sieg „Mister Dakar“ Stephane Peterhansel krönte seine erfolgreiche Karriere mit seinem zwölften Triumph. Sechs Mal gewann er als Motorradfahrer (1991, 1992, 1993, 1995, 1997, 1998). Nun eroberte er im Alter von 50 Jahren seinen sechsten Sieg bei den Automobilen mit dem Peugeot 2008 DKR. Davor gewann Peterhansel mit Mitsubishi (2004, 2005, 2007) und Mini (2012, 2013).

Das Mini-SUV Peugeot 2008 ist mit weltweit 585’000 verkauften Einheiten für die Franzosen ein Erfolgsmodell.

Neu gestaltet zeigt sich vor allem die Front, die nun einen steiler stehenden, grösseren Kühlergrill trägt. Den kraftvolleren Eindruck verstärken verbreiterte Radkästen und Schutzbeplankung aus kratzfestem Plastik. Am Heck gibt es Leuchten in neuem Design. Ansonsten bleibt der mit 4,16 Meter Länge handliche Peugeot unverändert. Überzeugen können somit weiterhin das ordentliche Platzangebot vorne, der Kofferraum mit der niedrigen Ladekante und die flach umlegbaren Rücksitze. Das Platzangebot im Fond ist aber allenfalls Durchschnitt. Der 2008 will aber auch kein Reisemobil sein, sondern ein Stadt-SUV und entsprechend handlich fährt er sich. Auch dank des extra kleinen Lenkrads – eine Peugeot-Besonderheit wie auch die oberhalb des Kranzes montierten Instrumente. Sie sollen dem Fahrer helfen, den Blick möglichst wenig von der Strasse zu wenden. Nach hinten ist die Übersicht wie bei den meisten modernen Autos allerdings eher mau, da passt es gut, dass die Franzosen im Zuge des Facelifts nun auch eine Rückfahrkamera für das kleine SUV anbieten. Wer es noch einfacher haben will, kann jetzt zudem einen elektronischen Assistenten ordern, der das Rangieren komplett übernimmt.

Auch an anderer Stelle wurde technisch nachgerüstet. So koppelt sich das hübsche und ergonomisch günstig platzierte Infotainment-System nun auch mit Apple- und Android-Handys, ein kamerabasierter Notbremsassistent für den Stadtverkehr soll Auffahrunfälle verhindern.

Peugeot 2008 mit Grip-Control-System

 

Das Grip-Control-System hat 5 Betriebsarten (Standard, Schnee, Gelände, Sand, ESP off) und passt das Fahrverhalten an die jeweiligen Geländebedingungen an. Dabei greift es elektronisch in die Schlupfregelung ein – d.h. beispielsweise bei Schneeglätte werden die Räder beim Anfahren etwas eingebremst, bis einer der Reifen auf dem glatten Untergrund Halt findet. Danach wird die Kraft jeweils auf das Rad mit der besseren Traktion verteilt.

  • Der Standardmodus ist auf normale Strassenbedingungen und geringen Schlupf ausgelegt.
  • Der Schnee-Modus passt den Schlupf der beiden Vorderräder verzugsfrei an die jeweilige Bodenhaftung an. Bei 50 km/h erreicht wird in den Standardmodus umgeschaltet.
  • Der Allwege-Modus ermöglicht problemloses Vorankommen in rutschigem Gelände (Matsch, nasse Wiesen, usw.). Durch Übertragen des maximalen Drehmoments auf das Rad, das Haftung besitzt, wird Anfahren auch unter schwierigen Bedingungen zum Kinderspiel. Das System arbeitet in diesem Fall wie ein Differenzial mit begrenztem Schlupf und eignet sich damit besonders für nicht befestigte Wege. Dieser Modus ist bis 80 km/h aktiv.
  • Der Sand-Modus lässt den beiden Antriebsrädern einen gewissen Schlupf, um auch auf lockerem Untergrund Vortrieb zu garantieren und ein Festfahren zu vermeiden. Dieser Modus ist bis 120 km/h aktiv, dann wird in den Standardmodus umgeschaltet.
  • Der ESP-Off-Modus stellt es dem Fahrer frei, das ESP und die Grip Control bis 50km/h komplett auszuschalten und die Traktion damit selbstständig zu steuern

Die Preise für den neuen Peugeot 2008 starten bei 18‘900 Franken. Grip-Control gibt es allerdings erst ab der Ausstattungsvariante Allure (PureTech 110 S&S 5 Gang-Schaltgetriebe) für 500 Franken Aufpreis. Oder man wählt die fast vollausgestattete GT Line (PureTech 110 S&S 5 Gang-Schaltgetriebe) inkl. Grip-Control für 28’550 Franken.

Kurzcharakteristik – Peugeot 2008:

Warum: weil ich das Mini-SUV nur in der Stadt fahre
Warum nicht: weil ich doch ab und zu an den Strand will
Was sonst: Opel Mokka, Renault Captur, Nissan Juke

Mehr Informationen zum DKR2008:

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Unser Ziel war es, der erste Hersteller zu werden, der die „Dakar“ mit einem zweiradgetriebenen Dieselfahrzeug gewinnt.“ sagte Bruno Famin, Direktor Peugeot Sport.

„Wie in Le Mans, wo wir auf ein geschlossenes LMP1-Fahrzeug gesetzt haben, treten wir auch diesmal mit einem innovativen Konzept an“, erklärt Famin weiter. „Im Rallye-Raid-Sport stellt sich die Frage, ob man auf Vierrad- oder Zweiradantrieb setzt. Dünen, Berge, trockene Flussbetten, Geröll, extrem hohen Temperaturen, Sand- und Salzwüsten stellen höchste Anforderungen an Mann und Maschine. „Nach einer detaillierten Studie der beiden Konzepte haben wir uns für den Zweiradantrieb entscheiden, da dieser einige interessante Vorteile bietet.“

Um den verschiedenen Antriebsideen bei der Rallye Dakar gleiche Siegchancen zu ermöglichen, wird der Traktionsnachteil der 4×2- Fahrzeuge gegenüber den 4×4-Fahrzeugen durch das Reglement mit verschiedenen Massnahmen nivelliert. „Ein entscheidender Faktor im Motorsport ist das Gewicht“, erklärt Jean-Christophe Pallier, der technische Projektmanager. „Im Rallye-Raid-Sport dürfen Fahrzeuge mit Zweiradantrieb mit einem deutlich geringeren Gewicht antreten. Zudem sind größere Reifen erlaubt, was bei den unterschiedlichen Streckenbedingungen ein Vorteil ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass das Reglement einen erheblich kürzeren Frontüberhang erlaubt. Der 2008 DKR könnte daher vertikal eine Wand hochfahren. Aber auch die Federwege sind mit 460 statt 250 Millimetern gegenüber den Allradlern größer. Das verbessert die Fähigkeiten des Autos in Dünen und auf unebenem Terrain. Das ist bei der „Dakar“ ein großer Vorteil.“ Der 4×2-Antrieb passt zudem perfekt zu Peugeot. „Da der Serien-2008 über Zweiradantrieb und die optimierte Antriebstechnologie Grip Control verfügt, macht es Sinn, dass der 2008 DKR ebenfalls zwei angetriebene Räder hat.“

Mit dem 2008 DKR haben die Peugeot-Techniker ein extrem kompaktes Fahrzeug geschaffen. Als Triebwerk diente ein 340 PS starker V6-Turbodiesel-Mittelmotor. „Es hat uns einiges an Kopfzerbrechen bereitet, die gesamte Technik auf so wenig Platz unterzubringen“, gibt Pallier zu. „Aber kleine Fahrzeuge sind auf kurvigen, der Rallye-WM ähnlichen Streckenabschnitten einfacher zu fahren.“

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