Offroaden in der Schweiz geht nicht? Gibt’s nicht? Hmmm, nicht ganz richtig. In den wenigsten Fällen ist es zwar wirklich erlaubt und dann sind es oft eher unspektakuläre Feldwege. Oder der eigene Wald. Ja, schon klar, so einen eigenen Wald hat auch nicht jeder mal so vor der Türe. Hat man also weder Buurehof noch ist man Förster oder Jäger, wird es mit der legalen und artgerechten Haltung des eigenen 4×4 in der Schweiz schnell mal relativ schwer.

Aber es gibt sie, die Gelegenheiten. Und eine Hand voll guter Offroad-Guides in der Schweiz, die dank guten Beziehungen zu den lokalen Behörden einmalige Offroadtripps durch die Schweizer Berge anbieten. Zugegeben, so ein Offroad-Weekend ist nicht ganz geschenkt, aber es lohnt sich auf jeden Fall. Denn es ist ein einmaliges Erlebnis, z.B. auf dem alten Grenzkamm zwischen der Schweiz und Italien, zwischen dem Lago di Lugano und dem Lago di Como, zu fahren. Dort, wo maximal Wanderwege eingezeichnet sind und einem selbst ortsansässige Jäger nur noch zu Fuss entgegen kommen. Reflexartig zuckt man kurz zusammen und schaut, ob der Karabiner bereits entsichert ist. Oder zumindest der Notizblock schon gezückt wurde um die Nummer zu notieren, was dann ja meist eine saftige Busse zur Folge hat. Nicht so aber diesmal. Die ganz wenigen Menschen, die wir unterwegs treffen, winken dem vorausfahrenden Guide Roland Toni von Adventure-Holidays freudig zu. Man kennt sich gut. Aber von vorne…

“Benvenuti nella nostra bella regione!”

So werden wir von unserem Guide Roland Toni herzlich begrüsst: “Auf diesem Kurz Trip werden wir neben knackigen und ausgewaschenen Offroad-Tracks auch immer wieder herrliche Panoramablicke über unsere faszinierende Berg-und-See-Region geniessen können.” sagt er und macht uns mit “…auch kulturell und kulinarisch ist diese Tour immer wieder ein spezielles Erlebnis!” den Mund noch wässriger als er eh schon ist.

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Unsere illustre Truppe besteht aus 7 Fahrzeugen inkl. dem anführenden Puch-G (links) mit den beiden Guides Markus & Roland.

Tag 1: Irgendwo oberhalb von Tesserete/Lugano tauchen wir über eine gesperrte Forststrasse in unsere Grenz-Erfahrung ein.

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Neben einem 4×4-Antrieb mit Untersetzung sind ausserdem AT-Pneus Pflicht, da es zwischen den 3 Seen, Lago Maggiore, Lago di Lugano und dem Lago di Como wirklich oft querbeet durchs Gelände geht und neben dem sicheren Halt auch spitze Steine eine Gefahr für die Gummis sind. Über einen alten Grenzpfad hangeln wir uns über Stock und Stein hinauf bis auf über 2000M.ü.M.

https://youtu.be/BVyG9BTIn4k

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Guide Roland begleitet die Teilnehmer mit seinem grossen Offroad-Know-how per Funk durch die heiklen Passagen und gibt wertvolle Tipps.
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Unser nagelneuer Jeep Wrangler Unlimited Sahara (im Originalzustand) schlägt sich prima. 

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Auf dem Berggipfel angekommen haben wir einen wundervollen Panoramablick auf die 3 Seen, Lago Maggiore, Lago di Lugano und Lago di Como, erklärte uns Roland noch vor der Abfahrt. Nun ja, oben angekommen sehe ich, dass wir nichts sehen. Aber die Vorstellung, dass das ohne Nebel ein traumhaftes Panorama wäre, reicht allen Beteiligten vollkommen. Wir freuen uns jetzt auf die erste Stärkung mit einheimischen Köstlichkeiten in unserem Rifugio.

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Nach einem extrem feinen Wildragout mit Polenta (ja natürlich über dem offenen Feuer zubereitet), geht es mit vollem Magen weiter über Stock und Stein …

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https://youtu.be/dbF2AgBTxm8

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Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussehen mag: die Tour ist kein Sonntagsspaziergang. Anspruchsvolle Passagen, abschüssiges Gelände und ausgewaschene Fahrrinnen verlangen vom Fahrer volle Konzentration. 

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Ein langer Radstand ist im Gelände nicht immer von Vorteil. Gut wenn man eine Seilwinde zur Hand hat, um sich aus der misslichen Lage zu befreien.

 

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Am Abend erwartete uns dann das pittoreske Hotel Funiculare mit einer grandiosen Aussicht auf den See bei Nacht, der sich uns am nächsten Morgen beim Blick aus dem Hotelzimmer so präsentierte. Sonst noch Fragen?

Tag 2: Nach dem Frühstück fahren wir über mehrere anspruchsvolle Waldtracks zu einem sehr bekannten Aussichtspunkt, wo wir ein herrliches Panorama geniessen. Danach geht es weiter über stillgelegte schliffrige Skipisten mitten durch den Wald und nach einer kurzen Asphalt-Verbindungsstrecke erreichen wir einen alten, zum Teil sehr steilen Römer-Weg, der uns zu einem idyllisch gelegenen Agriturismo führt. 

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Das von Roland versprochene Panorama kam - wie so viele Highlights – überraschend hinter einer Kurve und bot uns einen fantastischen Blick auf die Seen und Berge. Bei entsprechender Fernsicht sieht man sogar das Matterhorn, erklärte uns ein Berner Oberländer Tessintourist, der ebenfalls von der Schönheit der Natur an diesen Aussichtspunkt wie gefesselt war.
Auch das von Roland versprochene Panorama kam – wie so viele Highlights – überraschend hinter einer Kurve und bot uns einen fantastischen Blick auf die Seen und Berge. “Bei entsprechender Fernsicht sieht man sogar das Matterhorn”, erklärte uns ein Berner Oberländer Tessintourist, der ebenfalls von der Schönheit der Natur an diesen Aussichtspunkt wie gefesselt war. 

Auf dem Weg zum Sonntagsbraten führt uns die Tour durch die wunderschönen Bergdörfer der Lombardei, über alte Römerstrassen (die sogar heute noch von Schmugglern benutzt werden) hoch hinauf zu einer Agriturismo-Oase, die plötzlich aus dem Nichts auftaucht und ein Selbstversorgerbetrieb ist. Alles was auf den Tisch kommt, ist aus eigenem Anbau. Okay, das Bier nicht, aber der Schnaps schon.

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Nach dem leckeren Mittagessen geht es dann über verschlungene Pfade und kleine Strassen langsam wieder talwärts und Richtung Schweiz.

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Hier die ganze Tour nochmals in 2 Videos zusammengefasst … danke dafür an Gerhard, Esthi und Urs.

Und natürlich auch den anderen Teilnehmern der Tour ein grosses Dankeschön für diese zwei grandiosen Tage. Ist ja schliesslich nicht selbstverständlich, dass eine so bunt zusammengewürfelte Truppe so gut miteinander funktioniert und man sich gegenseitig hilft. Das spricht für das gute Händchen des Veranstalters, der diese Touren übrigens schon seit 8 Jahren durchführt.

 

 

… und als ob die vielen Kurven noch nicht gereicht hätten: Auf dem Rückweg wählte ich die wunderschöne Route über die alte St.-Gotthard-Passstrasse gen Norden.

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Ach ja, ein kleiner Hinweis noch: Alle Tracks durften nur dank speziellen Bewilligungen von Adventure-Holidays befahren werden! Also bitte nicht auf eigene Faust nachmachen, sonst ist der Karabiner vielleicht doch mal entsichert … man weiss ja nie.

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