Ihr kennt es bestimmt gut: das Gefühl, wenn ihr ein wenig mit dem Fahrzeug gespielt habt, bis an seine Grenzen gegangen seid – und dann nur ein bisschen weiter darüber hinaus. Dein Vertrauen ist enorm und gewinnt die Oberhand, du glaubst, nichts kann dich aufhalten. Bis du den Bogen dann überspannst. Dann wandelt sich die Lage zum Schlechten und scheint nicht mehr aufzuhören. Oder noch schlimmer ist; alles kommt zum Stillstand. 

Es wird sich noch zeigen, dass sich die Trockenübungen gelohnt haben. Schneller als mir lieb ist. Nach all den Fahrten auf festem Untergrund und tiefem Sand ergibt sich endlich die Gelegenheit, in einer Flussaue den Unimog im Morast auszuprobieren. Das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Hinein ins Vergnügen und erst einmal das Gelände erkunden – Warmlaufen sozusagen. Nachdem ich verschiedene Geschwindigkeiten und Fahrzeugeinstellungen ausprobiert habe, nehme ich jede Pfütze und kleine Seenlandschaft mit. Schlamm fliegt mir um die Ohren. Die 120 cm Wattiefe kann ich leider nicht ausreizen. Ich fordere mich selbst nicht weniger als den Mog. Und wie wacker er kämpft. Immer noch ein bisschen mehr, ein bisschen tiefer (nur für die Fotos natürlich). Nur noch eine Runde durch die Spasslandschaft, dann geschieht das Unvermeidliche: Ich bleibe stecken und der Unimog senkt sich hinten ab. Ich war ein wenig zu langsam – Fehler werden eben sofort bestraft.

Ein Unimog bis zum Leiterrahmen im Morast

Durch die hohe Bodenfreiheit und die Portalachsen tiefer als mir lieb ist. Das aggressive Profil der Michelin XZL sitzt voll mit feinstem Lehmboden, aus den ansonsten hervorragenden Profilreifen wurden Slicks. Es geht weder vor noch zurück. Da hilft nur noch der Klappspaten. Stundenlang versuchen wir den Unimog freizulegen, aber es hilft nichts. Bei jedem Rettungsversuch sinkt er immer etwas tiefer ein. An dieser Stelle will ich nicht verschweigen, dass das Testfahrzeug keinen zusätzlichen Tankschutz besitzt, weshalb wir die Bergungsarbeiten besonders vorsichtig angehen, um den Tank nicht zu beschädigen.

Da mittlerweile die Sonne untergeht, wir weit und breit nicht genügend Material zum Unterlegen gefunden haben und der Untergrund immer weicher wird, hilft schweren Herzens nur Plan B. Wir brauchen Hilfe. Die Feuerwehr von der nahen Wache stellt uns einen zweiten Defender zum Ziehen zur Verfügung. Allerdings rührt sich der Unimog keinen Zentimeter. Wie gut, dass der Kollege von der Feuerwehr das gleiche Outdoor-Gen im Blut hat wie wir (vor ein paar Jahren fuhr er mit dem Motorrad sogar bei der Rallye Paris-Dakar mit). Er mobilisiert seine Kollegen von der Wache und keine halbe Stunde später naht die Rettung mit einer 12-Tonnen-Winde, montiert an einem 10-Tonner. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sie Spass an der Sache haben. Winde einschalten, Stahlseil raus und schon steigt der Unimog wie Ikarus aus seiner schlammigen Spielwiese empor.

Einmal kurz mit dem Schlauch drüber

Ich fahre auf ein Plateau, um die rund 200 kg Lehmanhängsel unter dem Wagen zu betrachten. Nach einem Spülvorgang des Fahrwerks mit dem C-Rohr (als wenn sie es geahnt hätten, war der Wassertank des Löschwagens voll) sind zum Glück keinerlei Beschädigungen zu erkennen. Die herabhängende Rückfahrkamera ist – Glück oder Vorsehung? – mit einer Magnethalterung ausgestattet und kann mühelos wieder an der Quertraverse angebracht werden.

Nach einer kurzen Nacht und grenzwertigen Erfahrung kann die Reise weitergehen. Aber als erstes kurz unter die Dusche und dann ab zur Feuerwache, wo man uns herzlich empfängt und einen Besichtigungsrundgang anbietet – im Gegenzug für unsere Spende für einen guten Zweck.

Was für ein Tag. Was für eine Nacht. Was für ein Abenteuer!

Fotos: Tristan Brailey

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