Weibliche Abenteurer sind rar in der Geschichte. Zu erklären warum, würde jetzt zu weit führen. Was ich sagen kann, ist, dass Beryl Markham ein aussergewöhnliches Beispiel dafür war, dass man nicht nur geografische Barrieren, sondern auch soziale und kulturelle Normen überwinden kann – wofür sie teuer bezahlt hat.

Doch nicht eine Sekunde bemitleidet sie sich in dieser Autobiographie; witzig, offen und eloquent schreibt sie über ihr Leben als Kind in Kenia Anfang des 20. Jahrhunderts. Während ihr britischer Vater eine Farm aufbaute, spielte, erkundete und jagte Beryl zusammen mit den Nandi-Kindern und entwickelte eine tiefe Verbindung zu den Einheimischen, die den meisten ihrer Landsleute damals fehlte. Als Erwachsene wurde Beryl Kenias (und wahrscheinlich Afrikas) erste weibliche Rennpferd-Trainerin. Später widmete sich Beryl einem neuen und gefährlicheren Beruf: der Luftfahrt – sie flog Post und Passagiere über die von Wildtieren durchzogenen Savannen Afrikas. 1936 war sie die erste Person, die allein über den Atlantik von Ost nach West flog – eine Leistung, die mit einer Bruchlandung in Nova Scotia endete.

So manche Autobiographie droht, den Leser mit Selbstbeweihräucherung zu ersticken; nicht so Beryl. Stattdessen strahlt Westwärts mit der Nacht vor Leidenschaft. Dies ist die brillante Geschichte einer Frau, die hundert Jahre vor ihrer Zeit geboren wurde, die Momentaufnahme einer Zeit, die längst vergangen ist – teils zum Guten, teils zum Schlechten.

Westwärts mit der Nacht: Mein Leben als Fliegerin in Afrika von Beryl Markham | [Org.Titel West with the Night], besprochen von Åsa Björklund, ISBN 978-3492232920

Quelle Bild: booklooker.de

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